Bewerbung als UNESCO-Weltkulturerbe
Wer die Geschichte Baden-Badens kennt weiß, dass das materielle, aber auch das immaterielle Kulturerbe ein unbezahlbarer Schatz ist. Seit 2006 steht die Frage im Raum, in wieweit das vorhandene Kulturerbe den Kriterien zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste entspricht.
Eine zur Zeit im Auftrag der Stadt Baden-Baden erarbeitete Vergleichsstudie „Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts“ zeigt auf, wie eng das Kulturerbe einer Handvoll Kurstädte in Europa miteinander verwoben ist.
Vom 25.-27. November 2010 fand zu diesem Thema in Baden-Baden eine Fachtagung statt. Dabei wurde die Bedeutung der Kurstädte des 19. Jahrhunderts auf breiter Ebene diskutiert. Dabei wurden die Ergebnisse der Vergleichsstudie bekräftigt, so dass in einem weiteren Schritt ein grenzüberschreitender Welterbeantrag auf den Weg gebracht werden soll.
Wer heute die Stadt Baden-Baden besucht, begegnet den Relikten dieser Geschichte auf Schritt und Tritt: In der Lichtentaler Allee, im Kurviertel, im Bäderviertel, in der Altstadt und in den umliegenden Wohnvierteln. Auch die enge Verbindung von Stadt und Natur ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines jahrhundertelangen Mühens, ideale Lebensbedingungen zu schaffen.
Aber es sind nicht nur die sichtbaren Relikte der Geschichte, die Baden-Baden prägen. Vielerlei gesellschaftliche Gewohnheiten und Traditionen sowie ein auf körperliches und geistiges Wohlbefinden ausgerichtetes Freizeit- und Dienstleistungsangebot leiten sich aus der Geschichte der Stadt ab.
Seit gut zweihundert Jahren zieht die Stadt ein internationales Publikum an: Für einen kurzen Besuch, ein Konzert, für geschäftliche Angelegenheiten, eine Tagung, einen Kongress, für längere Erholungsaufenthalte – manchmal für immer. Um diese Anziehungskraft Baden-Badens zu erhalten und um die Stadt erfolgreich in die Zukunft zu führen braucht es immer wieder eine Rückbesinnung auf die Geschichte, eine Analyse des aktuellen Zustands und eine klare Definition von Entwicklungszielen.
Das materielle und immaterielle Kulturerbe Baden-Badens ist ein unbezahlbarer Schatz. Es kann kein Fehler zu sein, dieses Kapital zu erhalten, es zu pflegen und die Bevölkerung für die überkommenen Werte zu sensibilisieren. In diesem Sinne setzen sich Bürger der Stadt seit Jahren für die Erhaltung, eine intensive Auseinandersetzung und Pflege des Kulturerbes ein.
Dabei hat sich die Vermutung erhärtet, dass die Bedeutung dessen, was vergangene Generationen an immateriellem und materiellem Erbe in Baden-Baden hinterlassen haben, weit über die nationalen Grenzen hinausgeht. Gleichzeitig wurde in der Auseinandersetzung mit weiteren Kurstädten in Europa deutlich, dass es an anderen Orten ein durchaus vergleichbares Erbe gibt.
Was heißt das nun aber für die Baden-Badener Ambitionen eines Welterbeantrags?
Die oben erwähnte Vergleichstudie veranschaulicht die außergewöhnliche Bedeutung dieser Städte, die durch ihre internationale Ausrichtung bereits im 19. Jahrhundert schlüssige Antworten für eine bis heute aktuelle Frage geliefert haben:
Wie können unterschiedliche soziale, ethnische und religiöse Gruppen in Europa friedlich zusammenleben?
Das während der Tagung in Fachvorträgen eingegrenzte und zuletzt in einer Podiumsdiskussion mit internationalen Vertretern von ICOMOS diskutierte Konzept einer seriellen, transnationalen Nominierung "Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts" für die UNESCO-Welterbeliste fand breite Unterstützung.
Dieses Konzept thematisiert die außergewöhnliche Bedeutung der Kurstädte als Kommunikationszentren der sich verbürgerlichenden, europäisierenden Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Zur Eintragung vorgeschlagen werden sollen nur eine Handvoll Orte, die nachgewiesenermaßen im 19. Jahrhundert internationale Treffpunkte waren und bei denen sich bis heute ein authentisches Abbild der kulturgeschichtlichen Bedeutung erhalten hat: Karlsbad, Marienbad und Franzensbad (CZ), Vichy (F), SPA (B) und Baden-Baden, möglicherweise um weitere, fachlich geeignete Kandidaten ergänzt.
Flyer ICOMOS Tagung 2010
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Vergleichsstudie - Zusammenfassung
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